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Rennbericht zum Ironman Hawaii

Nachdem meine Reise nach Hawaii zuerst mangels Sponsoren gefährdet war, konnte ich dank des TF Feuerbach und dem Radsportladen Messerschmidt (Plüderhausen) am Morgen des 16. Oktober mit 1.700 Triathleten in den Pazifik steigen.
Wir Profis durften eine Viertelstunde vor den Age-Groupern an den Start. Mein Ziel war eigentlich die Stunde zu knacken. Ich erwischte eine gute Gruppe. Wow, noch zwei Profimänner (erkennbar an den babyblauen Mützen) in meinem Pulk, kann ja nicht so schlecht sein! Ich fühlte mich echt gut, manchmal war's mir sogar etwas zu langsam, aber die Gruppe vor uns war zu weit weg. Und alleine zu schwimmen wäre dumm gewesen.

Endlich sicheren Boden unter den Füßen! Oh, Schock: eine Stunde fünfzehn! Na dann aber nichts wie los! Rein ins Wechselzelt, Helm und Brille auf, Radschuhe schnappen und zum Rad.
Irgendwer rief: "Your helmet!" Hä, der ist doch zu. Immer mehr Leute zeigten wie wild auf meinen Helm. Schließlich unterbrach ich meine Aufsteigversuche und fasste mal an meinen Helm. Wie peinlich, ich hatte ihn verkehrt herum auf, mit der Aero-Spitze nach vorne. Wie mag das wohl ausgesehen haben? Ich musste über mich selber lachen. Jetzt aber genug Zeit verplempert. Aufgesprungen und die Verfolgungsjagd gestartet.

Hey, das geht ja echt super! Das erste Hineinhören in den Körper fiel positiv aus. Die Beine machten das, was ich wollte. Auf den ersten Meilen konnte ich gleich Gillian Bakker überholen. Durch den Rückenwind konnte man erst mal durchatmen und den Rhythmus finden.
Als es dann in die Lavafelder rausging blies der Wind von vorn, aber noch immer moderat. Kette rechts und durch. Kawaiihae ich komme! Endlich konnte ich an etlichen Profifrauen vorbeifahren: Lori Bowden, Nicole Leder und andere, deren Namen ich nicht kannte, wurden eine nach der anderen gefressen.

Dann kam mir Norman entgegen. Mann, hatte der 'nen Vorsprung. Etwas später folgte Nina. Ich freute mich für sie und zählte die Mädels, die nach ihr kamen. Ich erkannte Fernanda Keller und setzte mir zum Ziel, sie auf jeden Fall noch zu schnappen.

In Hawi waren wahnsinnig viele Zuschauer! Meine Red Bull Dose und das Rosinenbrötchen warteten hier auch auf mich! Juhu, Rückenwind! Ich flog über den Highway und freute mich auf die Rückfahrt.

Kurz nach dem Hilton bei Kilometer 140 hatte ich dann Ute Mückel und etwas später auch Fernanda überholt. Mittlerweile herrschte ein böser Gegenwind, den man auf diesem Streckenabschnitt nicht mehr unbedingt erwartet hätte. Noch 40 km bis Kona und alles gegen den Wind. Na bravo!

Schließlich hatte ich auch das geschafft und bog in die Palani Road ein, ohne zu wissen, wie ich im Rennen lag (später erfuhr ich, dass ich auf Rang 12 war).
Der Wechsel klappte diesmal recht flott. Da ich auf meinem neuen IRONMAN-Einteiler meinen Namen aufgedruckt hatte, feuerten mich auch viele Zuschauer namentlich an, was unheimlich puschte.
Trotzdem hätte ich mir wesentlich lockerere Beine gewünscht. Ich schloss zu Heather Fuhr auf und überholte sie. Plötzlich war das NBC Motorrad neben mir. Aber hallo, da kommt mir ja schon Nina entgegen, weit vor Natascha. So, und wer ist da noch? Hey, das bin ja ich! An 3. Stelle?! Aber mir gings gar nicht gut. Meine Gastfamilie (Tim, Darmie und little Silas) standen am Alii Drive und feuerten mich an. Na, dann weiter!

Wo sind denn immer diese Dixi-Klos? Wenn man sie braucht, sind sie nicht da! Dann muss halt ein Auto als Sichtschutz herhalten! Aus dem Augenwinkel sah ich zwei Mädels vorbeiziehen.
Zu diesem Zeitpunkt wars mir aber egal, eigentlich dachte ich schon ans Aufgeben. Dann fielen mir meine Kinder und die vielen Freunde ein, die sich jetzt im Internet die Nacht um die Ohren schlugen, nur für mich! Also los, finishen, egal wie. Ich schleppte mich weiter. Jetzt gings mir richtig schlecht. An jeder Verpflegungsstelle Cola, Wasser, Iso, alles musste rein! Und plötzlich, kurz vor dem Energy Lab: ein Energieschub! Pele sei Dank! Ich rannte förmlich los und konnte wieder ein paar Plätze gut machen. Da waren auch endlich mein Sohn Luca und mein Partner Andy! Und unten wartete die zweite Dose Red Bull! Also, da kann ja nichts mehr schief gehen.

Andy rief noch: "Bist Vierte, renn!" Aber so wie die Energie gekommen war, verschwand sie leider auch wieder. Die große Schlepperei begann. Ich wartete mit eingezogenem Kopf auf meine Konkurrenz. Und da kam sie auch schon angetrabt. Das Zählen hab ich mir verkniffen um nicht noch mehr Stress zu erzeugen. Am letzten Anstieg beschloss ich, voll ins Ziel zu walken.
Plötzlich riss mich die Stimme von Thomas Braun aus meiner Trance."Tina, Du hast noch dreieinhalb Minuten, wenn Du jetzt losläufst wirst Du noch Neunte." Ich mobilisierte die letzten 10 Prozent, die jeder Mensch in Notsituationen zur Verfügung hat und lief wieder los. 50 Meter vor dem Ziel überholte mich dann noch Fernanda Keller. Zu diesem Zeitpunkt war mir aber alles egal, Hauptsache im Ziel und unter den Top 10. Nachdem mich Andy ins Medical Tent getragen hatte, bekam ich zwei Infusionen und wurde dabei rührend umsorgt.

Stunden später, zu Hause bei Tim und Darmie empfing mich der kleine Silas mit: "Tina, Champion!" Und Luca pflichtete ihm bei: "Mama, Du bisch die Beschte!"
Die Ziele, die ich mir für Hawaii gesetzt hatte, habe ich erreicht. Außerdem die Gewissheit, ich kann wirklich ganz vorne dabei sein. Nicht zuletzt Dank meiner geduldigen Family, meinem Trainer Wolfgang Rentschler (Fit4tri), der mich auf den Punkt fit gemacht hat und meinem Schwimmtrainer Siegfried Wendel, der sich für mich soviel Zeit genommen hat.